Odontoglossum-Allianz

Die Gattung Odontoglossum existiert seit 2008 botanisch nicht mehr eigenständig. Chase und Kollegen haben auf Basis molekulargenetischer Daten alle Arten in Oncidium eingegliedert. Die berühmte Odontoglossum crispum heißt heute Oncidium alexandrae. Eine kleinere Untergruppe wurde in die Gattung Cyrtochilum abgespalten.

In Sammler-Kreisen und im Handel hält sich der Name Odontoglossum bis heute — gemeint sind damit die kühl wachsenden Bergorchideen aus den Anden, die typische „Odontoglossum-Allianz" mit ihren Mehrgattungs-Hybriden (Beallara, Burrageara, Vuylstekeara, Wilsonara).

Die crispum-Geschichte

Odontoglossum crispum war Ende des 19. Jahrhunderts die teuerste Orchidee Europas. Sammler-Expeditionen zogen in die kolumbianischen Anden, Tausende Pflanzen wurden gerodet und nach England verschifft. Auf Sotheby's-Auktionen wechselten herausragende Exemplare für umgerechnet heute mehrere zehntausend Euro den Besitzer. Heute heißt die Art Oncidium alexandrae und ist als Naturform in Kolumbien streng geschützt — kommerziell verfügbar sind ausschließlich künstliche Vermehrungen.

Standort

Kühle Bergorchideen. Standort hell, aber ohne direkte Sonne — Nord- oder schattiges Ostfenster ist optimal. Im Sommer auf der Nordseite des Hauses oder im halbschattigen Garten.

Wichtigster Faktor ist die Temperatur — siehe nächster Abschnitt.

Temperatur

Hier liegt die größte Herausforderung in deutschen Wohnungen: Odontoglossum-Allianz mag maximal 22 °C tagsüber, idealerweise unter 18 °C nachts. Sommer-Hitzephasen über 25 °C sind kritisch — die Pflanze stellt das Wachstum ein und kann absterben.

  • Sommer: kühler, schattiger Außen-Standort, möglichst Garten-Nordseite oder kühles Treppenhaus
  • Winter: kühler Raum mit 10 bis 16 °C, eine kalte Veranda oder Wintergarten
  • Heizungsluft im Wohnzimmer: ungeeignet

Gießen und Düngen

Substrat sollte gleichmäßig feucht bleiben, nie austrocknen, aber auch keine Staunässe. Im Sommer alle 4 bis 7 Tage tauchen, im Winter seltener.

Sehr salzempfindlich — Dünger nur in viertel Konzentration, vor jedem Düngerguss mit klarem Wasser anwässern. Bei Leitungswasser regelmäßig mit Regenwasser spülen, um Salz aus dem Substrat zu waschen.

Braune Blattspitzen sind das klassische Symptom von Düngerüberschuss oder zu kalkhaltigem Wasser.

Substrat

Feinere Pinienrinde mit hohem Sphagnum-Anteil. Häufiges Umtopfen — jährlich oder spätestens alle 2 Jahre, sobald das Substrat sauer wird. Mehr in der Substrat-Anleitung.

Häufige Fragen

Warum heißt Odontoglossum jetzt Oncidium?

Molekulargenetische Untersuchungen (Chase und Kollegen, 2008) haben gezeigt, dass die in Odontoglossum zusammengefassten Arten enger mit Oncidium verwandt sind als untereinander. Die Gattung wurde aufgelöst, alle Arten in Oncidium übertragen. Der Handelsname Odontoglossum hält sich trotzdem.

Welche Temperatur braucht Odontoglossum wirklich?

Maximal 22 °C tagsüber, idealerweise 16 bis 18 °C nachts. Sommer-Hitzephasen über 25 °C sind kritisch. In normalen Wohnungen ist Odontoglossum-Kultur ohne kühles Sommer-Quartier kaum machbar.

Mein Odontoglossum hat braune Blattspitzen — was tun?

Meist Düngerüberschuss oder zu kalkhaltiges Wasser. Düngerkonzentration halbieren, mit Regenwasser durchspülen, beim nächsten Umtopfen die Substrat-Reste komplett entfernen.

Was ist die Odontoglossum-Allianz?

Sammelbegriff für Mehrgattungs-Hybriden aus Oncidium (früher Odontoglossum), Miltonia, Brassia, Cochlioda und Aspasia. Bekannte Hybridgattungen: Beallara, Burrageara, Vuylstekeara, Wilsonara, Cambria.

Kann ich heute noch Odontoglossum crispum kaufen?

Ja, als künstliche Vermehrung — heute unter dem Namen Oncidium alexandrae. Wildsammlungen sind in Kolumbien streng verboten, der Handel beschränkt sich auf in-vitro vermehrte Klone.

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