Falsches Gießen ist die häufigste Todesursache bei Zimmerorchideen — und fast immer ist es zu viel Wasser, nicht zu wenig. Die meisten Orchideen im Handel sind Epiphyten: In der Natur wachsen sie auf Bäumen, ihre Wurzeln liegen frei in der Luft und trocknen nach jedem Regen rasch wieder ab. Dauerhaft nasses Substrat lässt diese Wurzeln faulen. Wer das Gießen versteht, hat die wichtigste Hürde der Orchideenpflege bereits genommen.
Eine Orchidee mit ausgetrockneten Wurzeln erholt sich nach dem nächsten Gießen meist vollständig. Eine Orchidee mit verfaulten Wurzeln ist oft nicht mehr zu retten. Übergießen ist deshalb der gefährlichere Fehler. Die Faustregel: Substrat zwischen zwei Wassergaben deutlich abtrocknen lassen — nicht knochentrocken, aber auch nicht dauerhaft feucht.
Stehendes Wasser im Übertopf oder Untersetzer ist die häufigste Fehlerquelle überhaupt. Nach dem Gießen ablaufendes Wasser nach 10 bis 15 Minuten ausschütten. Einzige Ausnahme ist Phragmipedium, der amerikanische Frauenschuh — die einzige verbreitete Gattung, die dauerhaft in 1 bis 2 cm Standwasser stehen darf.
Nicht nach Kalender gießen, sondern nach Zustand. Drei verlässliche Methoden:
Orchideen reagieren empfindlich auf Kalk. Hartes Leitungswasser hinterlässt mit der Zeit Kalkränder auf Blättern und Wurzeln und verschiebt den pH-Wert im Substrat.
Für Orchideen in Rindensubstrat ist Tauchen die beste Methode, weil grobe Pinienrinde Wasser von oben schlecht aufnimmt:
Wer von oben gießt, tut das langsam und durchdringend über der Spüle, bis Wasser unten austritt. Das spült zugleich angesammelte Salze aus. Entscheidend in beiden Fällen: kein Wasser im Herz der Pflanze, also in der Blattmitte und in den Blattachseln. Stehende Nässe dort führt zur gefürchteten Herzfäule, die besonders Phalaenopsis innerhalb weniger Tage tötet. Versehentlich hineingelaufenes Wasser mit Küchenpapier auftupfen.
Es gibt kein festes Intervall — die Frequenz hängt von Substrat, Topf, Jahreszeit, Temperatur und Licht ab. Als grobe Orientierung für Phalaenopsis im Wohnraum:
Was die Frequenz verschiebt:
Im Frühjahr und Sommer wachsen die meisten Orchideen aktiv und brauchen mehr Wasser — oft kombiniert mit Dünger (alle zwei bis drei Wassergaben in halber Konzentration). Im Winter fahren viele Arten zurück; manche, etwa der Nobile-Typ von Dendrobium, brauchen sogar eine ausgesprochen trockene und kühle Winterruhe, um Blüten anzusetzen. Wer im Winter weitergießt wie im Sommer, riskiert Wurzelfäule und ausbleibende Blüte.
Es gibt kein festes Intervall. Im Sommer etwa alle 5 bis 7 Tage, im Winter alle 10 bis 14 Tage — aber immer erst den Zustand prüfen: silbrig-graue Wurzeln im Klarsicht-Topf oder ein auffällig leichter Topf zeigen an, dass gegossen werden sollte.
Besser nicht. Orchideen sind tropische Pflanzen, und kaltes Eis kann die Wurzeln stressen. Außerdem ist die Wassermenge eines Eiswürfels willkürlich. Besser ist Tauchen in zimmerwarmem Wasser für 10 bis 15 Minuten mit anschließendem Abtropfen.
In weichen Regionen ja. Hartes, kalkreiches Wasser hinterlässt Kalkränder und verschiebt den pH-Wert im Substrat — hier sind Regenwasser oder entkalktes Wasser besser, oder eine Mischung. Wasser immer zimmerwarm verwenden, nie kalt aus der Leitung.
Fast immer durch zu häufiges Gießen oder stehendes Wasser im Übertopf. Die Wurzeln der meisten Orchideen sind Epiphytenwurzeln und müssen zwischen den Wassergaben abtrocknen. Ablaufendes Wasser nach dem Gießen ausschütten und das Substrat deutlich antrocknen lassen.
Bleibt Wasser in der Blattmitte oder in den Blattachseln stehen, kann das Herz der Pflanze faulen — besonders bei Phalaenopsis und Vanda, oft mit tödlichem Ausgang innerhalb weniger Tage. Deshalb seitlich gießen oder tauchen und versehentlich hineingelaufenes Wasser mit Küchenpapier auftupfen.
Ja. Die meisten Orchideen wachsen im Winter langsamer und brauchen entsprechend weniger Wasser. Manche Arten wie der Nobile-Typ von Dendrobium benötigen sogar eine trockene, kühle Winterruhe, um überhaupt Blüten anzusetzen.
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